Gespräch des Monats ...

... mit Dr. Volker Hauff, Vorsitzender des Rates für Nachhaltige Entwicklung

Mission Sustainability: Herr Hauff, Sie sind dafür, auf Jahre hinaus Energie aus dem Verbrennen von Kohle zu gewinnen. Ist das nachhaltig?

Dr. Volker Hauff: Priorität eins ist die Verbesserung der Energieeffizienz und der Ausbau der Erneuerbaren Energien. Wir müssen aber auch die Kohleverstromung sauber machen. Das muss global funktionieren, weil Kohle in Indien, China, den USA und vielen weiteren Ländern noch unverzichtbar ist. Zwar kann Deutschland als reiches Land es sich unter Umständen leisten, auf Kohle im Energiemix zu verzichten, aber global ist das keine Option. Globaler Klimaschutz wird meines Erachtens nur dann erfolgreich sein, wenn wir hier in Deutschland Wege aufzeigen, wie wir aus diesem Widerspruch herauskommen.

Mission Sustainability: Damit spielen Sie an auf die Methode, Kohlendioxid (CO2) bei der Energiegewinnung in Kohlekraftwerken abzuscheiden und in unterirdische Lager zu pumpen (Carbon Capture and Storage, CCS). Die Methode ist umstritten. Sie fordern, diese Technologie intensiv zu erforschen und nach Möglichkeit auch einzusetzen. Mit dem gespeicherten CO2 müssten sich dann aber künftige Generationen auseinandersetzen. Wie passt das zum Leitbild von Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit?

Dr. Volker Hauff: Zunächst: Dass wir mit Treibhausgasen die Gletscher abschmelzen und die Lebensräume verändern – das ist ganz und gar nicht gerecht. Und das ist das ungelöste Problem. Die Verträglichkeit im Sinne einer Generationengerechtigkeit von Technologien allgemein, aber auch des CCS, muss durch klare Sicherheitsanforderungen und den Versuch sichergestellt werden, Risiken zu minimieren.

Mission Sustainability: Das CO2 soll in natürlichen unterirdischen Kavernen gespeichert werden. Nach einigen Jahrzehnten wären die aber voll. Was dann?

Dr. Volker Hauff: Der wichtigste „Speicher“ für CO2 ist die Atmosphäre. Und der ist jetzt schon voll. Es mehren sich Stimmen aus der Wissenschaft, dass die Menschheit die Klimaerwärmung nicht auf die zwei Grad beschränken kann, die noch einigermaßen verträglich sind. Was dann – was, wenn wir in einen schnurstracks in einen Klima-Notstand hineinlaufen? Das ist meine erste Frage. Ob und wie viele geologische Speicher dann für CCS-Techniken zur Verfügung stehen, muss wissenschaftliche untersucht werden.

Mission Sustainability: Die Idee, das CO2 einfach nur unter die Erde zu pumpen, wirkt nicht besonders innovativ. Ist die CCS-Technologie denn schon alles, was die Forschung für den Umgang mit CO2 zu bieten hat?

Dr. Volker Hauff: CCS kann nur eine Übergangslösung sein. Langfristig brauchen wir eine vollständige Energieversorgung aus erneuerbaren Energien. Übergangslösungen schaffen Zeit, um das zu erreichen. Ich fordere eine sehr deutliche Ausdehnung der Energieforschung, um die wissenschaftlichen Grundlagen zu erarbeiten, damit wir langfristig CO2 Kreislaufwirtschaft aufbauen können. Denn: Im Hinblick auf Hausmüll und Schadstoffe hat man den Umbau der Wegwerfgesellschaft in Richtung Kreislaufwirtschaft erfolgreich angepackt. Den gleichen Versuch müssen wir beim Kohlendioxid machen.  

Kommentare

Ist CO2 die alleinige Ursache der Erderwärmung?

Es mag sein, dass CO2 bei der Erderwärmung die tragende Rolle spielt.
Nach meiner Meinung ist aber jegliche Wärmeenergie genau so dafür ursächlich. Unnötige Wärme entsteht in Kraftwerken durch Restwärme, welche zwar noch nutzbar wäre, aber für die Energieumwandlung nicht mehr so profitabel / interessant ist. Über Heizungen gleich welcher Art, bis zum Energieverbrauch durch Maschinen und last not least für Kühlanlagen,
Klimaanlagen. Auch die chemischen Prozesse erwärmen die Umwelt. Ich wünsche mir manches Mal eine globale Betrachtung der Erderwärmung!

Vielleicht ist auch einmal die Aufschlüsselung der klimatischen Veränderungen von den Gebiete nördlichen und südlich vom Äquator eine sinnvolle Betrachtung wert. Es stellt sich die Frage, ob in den Gebieten südlichen vom Äquator die Klimakatastrophen weniger häufig sind, oder ob sie lediglich mit einer zeitlichen Verzögerung genau so heftig auftreten?
Mit freundlichen Grüßen
Peter Blaha

Nachhaltige Innovationen

Sehr geehrter Herr Dr. Hauff,

meine Erfindung bewegt sich in die Richtung:

a) Vermeidung von CO2 / Einsparung von Stahl 100.000 t/h jährlich
b) Vermeidung von CO2 bei der Verbrennung von Kunststoffen und
damit zwangsläufig entstehenden Giftstoffen.
c) Aufwertung auch von "unreinem Recycling-Kunststoff" zu einem
Wertstoff.

Ich habe die Entwicklung vorangetrieben, um Förderband-Tragrollen, welche in der Regel aus Stahl hergestellt werden, aus massivem RY-
Kunststoff herzustellen. Diese Rollen sind in den meisten Eigenschaften den Stahlrollen überlegen, weil ich diese Rollen nicht mehr aus Rohren
herstelle, sondern massive Kunststoffstangen dafür verwende.

Als Einzelkämpfer habe ich schon Vieles versucht, um auch in größerem Umfang den Markt für dieses Produkt zu gewinnen. Leider blieb mir bislang jeglicher Erfolg auf den Ebenen, Gemeinde, Landesebene, oder Bundesebene versagt. Dabei handelt es sich um eine äuserst sinnvolle, höchstw. auch förderungs-würdige Erfindung.

Unter welcher E-Mail darf ich einem "sachkundigen Mitstreiter" weitere
Unterlagen mailen?

Mit freundlichen Grüßen
BLAHA, Peter
Rosenstr. 5
D-85609 Aschheim b. München.

Dauerlösung! Jetzt!

Wenn man weg von der Wegwerfenergie will, sind erneuerbare Energien immernoch die beste Lösung - die empfiehlt auch der Nachhaltige Warenkorb, der Einkaufsführer des Nachhaltigkeitsrates http://www.nachhaltiger-warenkorb.de

Herzliche Grüße, Y.

Ja, erneuerbare Energien sind

Ja, erneuerbare Energien sind sicher die einzige Option, wenn man eine langfristige Lösung anstrebt. Da gibt es seit einiger Zeit ja auch das Projekt Desertec, um Solarfelder in der Wüste anzulegen.
Mal sehen wie lange es dauert, bis sich die Energiekonzerne dazu durchringen, an Desertec teilzunehmen...?

Aus den Augen... aus dem Sinn?

Irgendwie versuchen Menschen immer, ihren irgendwie gearteten Müll besser zu deponieren, anstatt ihn einfach zu vermeiden. Nur, weil das Kohlendioxid unter der Erde ist, ist es doch nicht weg. Das ist keine Lösung.

also...

... ich find den Ansatz gar nicht so schlecht!
Grüße, K.

Nur Zwischen- oder Dauerlösung?

Meine Bedenken: Wird hier eine Zwischenlösung vielleicht langfristig doch zur Dauerlösung, zur ultima ratio? Und verzögert/verhindert diese somit die Forschung, was erneuerbare Energien betrifft, fördert hingegen die weitere Verbrennung von Kohle? Und stehen wir mit dieser Speicherung dann in ein paar Jahrzehnten nicht wieder vor demselben Problem? Zumal ich als Laie mir das höchst problematisch vorstelle, wenn soviel CO2 künstlich in der Erde gelagert wird. Gibt es da Erkenntnisse über die Langzeitfolgen?
Sollten nicht schon jetzt erneuerbare Energien absoluten Vorrang haben und DIESE den im Text genannten Ländern als Vorbild dienen?
Was meinen andere? Kann mir vielleicht jemand Auskunft geben, was die Erforschung dieser Technik angeht?
Danke für Eure Antworten und Grüße
Juppi

Hi, Juppi, deine Bedenken

Hi, Juppi,

deine Bedenken teile ich - auch was die Forschung der Erneuerbaren betrifft. Ganz subjektiv bin ich der Meinung, dass diese absolute Priorität haben. Letztlich geht es kohlereichen Ländern wie China darum, den Energiehunger mit bereits vorhandenen Ressourcen zu bedienen. Und Kohleverstromung ist offenbar zu günstig und damit attraktiv für relativ ärmere Volkswirtschaften. Schließlich ist das Alleinstellungsmerkmal u.a. die billigsten Waren der Welt zu produzieren - das wollen sie sich nicht so schnell kaputt machen lassen.

Da die Erforschung von CCS noch absolut in den Kinderschuhen steckt, gibt es noch rein gar keine Erkenntnisse, weder kurzfristige, noch über die Langzeitfolgen.

Herzliche Grüße, Y.

Hallo Juppi, zur Erforschung

Hallo Juppi,
zur Erforschung dieser Technik kann ich Dir leider nichts sagen. Da kennt sich ja auch kaum jemand normales aus, ob die Vorschläge gut oder schlecht sind. Wahrscheinlich sollte man auch die Atomenergie wieder mehr mit einbeziehen (ja, ja, ich weiß, das ist nicht gern gesehen). Entsorgung müsste eben gesichert sein. Wie steht denn der Nachhaltigkeitsrat eigentlich zur Atomenergie?

Position des RNE

Von der Lösung Atomenergie halte ich persönlich nichts. Schon mal "The day after" gesehen? Auch das wäre nur eine Zwischenlösung, und zwar eine ganz schön gefährliche.
Zur Position des RNE hab ich folgendes gefunden:
http://www.nachhaltigkeitsrat.de/uploads/media/Nachhaltigkeitsrat_zur_Kl...
Beste Grüße, J.