Gespräch des Monats ...

... Volker Hauff zum Thema: Solarenergie aus der Wüste - Eine Option für Deutschland?

Frage von Mission Sustainability: “In der Sahara gibt es Sonne im Überfluss. Einer aktuelle Studie von Greenpeace zufolge könnten Solarkraftwerke in Wüstenregionen rund ein Viertel des weltweiten Strombedarfs umweltfreundlich decken - wenn das politisch gewollt wäre und wenn man das Geld für die nötigen Anlagen dazu bereitstellen würde. Unter dem Projektnamen „Desertec“ will eine Reihe deutscher Unternehmen nun Sonnenstrom in der Wüste produzieren. Könnte so etwas die Lösung für unsere Stromversorgung sein?”

Antwort von Volker Hauff, Vorsitzender des Rates für Nachhaltige Entwicklung: “Die Bedeutung der Solarenergie im globalen Energiemix muss zweifellos zunehmen. Doch es wäre es fahrlässig, die deutsche Energiepolitik primär an einer Hoffnung auf große Lieferungen von Solarenergie aus sonnenreichen afrikanischen Staaten auszurichten. Solarstrom aus der Sahara wird vor allem in Afrika selbst gebraucht. Europas Energiemix muss aus unterschiedlichen Quellen erneuerbarer Energie hergestellt werden. Außerdem müssen wir Wege finden, den CO2-Ausstoß der mittelfristig weltweit noch benötigten Kohlekraftwerke zu unterbinden - zunächst durch die Entwicklung der so genannten Carbon-Capture-and-Storage-Technologie (CCS), bei der das Kohlendioxid eingelagert wird und nicht in die Atmosphäre gelangt. Später dann durch das das Recycling von CO2.”

Kommentare

Auch in den Nachrichten gesehen und gleich gegoogelt...

...groß aufgezogen ist es ja: http://www.desertec.org/de/

Hab gestern was über Desertec in den Nachrichten gesehen...

... und musste gleich an Mission Sustainability denken. Greenpeace scheint ja ganz begeistert zu sein! Ich finde die Idee auch super. Wollte ich nur mal sagen, bei all den kritischen Stimmen hier. Ist doch schön, wenn was für erneuerbare Energein getan wird, egal ob in Afrika oder hier!

Ja, ja...

... alles schön. was haben nur die Konzerne davon, wenn sie soviel Geld reinstecken in so ein Projekt. Da stecken doch ganz andere Interessen dahinter.

was die Konzerne davon haben?

Naja, ich weiß nicht, ob man von Konzernen erwarten kann, riesige Summen in ein Projekt zu investieren, ohne dass dafür ein, wie es so schön heisst, return on investment entsteht. Was jedoch eine sicherlich berechtigte Frage ist, ergibt sich aus der Nutzung dieser Energie in Afrika selbst, bzw. daraus, wer für die natürliche Ressource Solarenergie die Nutzungsrechte erhält. Gehört also die in der Sahara geförderte Solarenergie demjenigen, der diese Engerieform zu nutzen weiss, und sie sozusagen fördert, oder demjenigen, der die natürlichen Gegebenheiten bereitstellt, damit diese Energie gefördert werden kann. Ähnlich verhält es sich bei vielen Projekten, welche den Export natürlicher Ressourcen, also Bodenschätze etc. betreffen, und die als Akteure die Förderer dieser Ressourcen (meist transnationale Firmen) auf der einen Seite und den Bereitsteller dieser Bodenschätze (im Fall Desertec z.B. Marokko) auf der anderen Seite kennen. Hier wäre ein gerechter Ausgleich nötig, der sowohl dem Förderer als auch dem Bereitsteller dieser Ressourcen einen angemessenen (!) Anteil an den Gewinnen zugesteht. Ein Problem, welches in der Vergangenheit oft über die Köpfe der Eigentümer (Bereitsteller) dieser Bodenschätze entschieden wurde - nicht zuletzt auch über "sanften" Druck internationaler Finanzinistitutionen...und nun zu neuen Verteilungskonflikten führt (z.B. in Bolivien). Hier muss angesetzt werden - eine althruistische Haltung von Konzernen kann niemand ernsthaft fordern.

na, ja

...ein bisschen Altruismus kann ich auch von Konzernen verlangen, wenn es um die Zukunft unserer Erde geht! Zumindest sollte man nichts als Altruismus verkaufen, hinter dem nur simple Gewinninteressen stehen! Greenwashing gibts zur Zeit schon genug.
Und wenn man sich die Seite mal anschaut, macht sie den Anschein, als wollte Desertec die Welt retten. Da sollte schon mit offenen Karten gespielt werden.

Na, wenn Greenpeace sich da

Na, wenn Greenpeace sich da nicht mal ein Ei gelegt hat! In zehn Jahren müssen sie dann die Wüsten wieder vor industrieller Ausbeutung und bedrohte Arten vor dem Aussterben schützen.
Und, sehr geehrter Herr Hauff: Recycling von CO2? Das verhindert immer noch nicht, dass Kohle und Erdöl irgendwann alle sind.
Wachstum sollte endlich entkoppelt werden vom Energieverbrauch (und dieser deutlich reduziert werden, anstatt immer neue Quellen zu erschließen), sonst sind wie in ein paar Jahrzehnten sowieso alle Matsch!
H.K.

Die Wüste lebt

Im Übrigen ist die Wüste auch ein Lebensraum - wenn auch ein eher unwirtlicher - den es zu schützen gilt. Und ob Desertect das im Sinn hat?
Werden denn die Bewohner der Wüste finanziell beteiligt? Haben Sie die Möglichkeit, von der neuen Entwicklung zu profitieren?
Oder holt sich Europa sauberen Strom aus Afrika und Afrika muss weiterhin schmutzigen Strom produzieren?
Fragen über Fragen...
Christoph

Strom aus Afrika für Afrika?

Es stimmt natürlich, dass vor allem in Afrika selbst Strom benötigt wird. Die Menschen dort kochen und heizen vor allem mit Holz, was das Ökosystem in anderem Zusammenhang aus dem Gleichgewicht bringt. Allerdings stelle ich mir die Frage, wann in afrikanischen Ländern mit Ausnahmen wie Agypten oder Südafrika die für die Nutzung von Strom nötige Infrastruktur geschaffen werden kann. Hier wäre klassische Entwicklungshilfe zur Selbsthilfe nötig. Vielleicht könnte das Desertec Konsortium auch in diese Richtung denken? Ökonomisch sinnvoll wäre es - wobei sich sicher auch dezentral viel in Afrika mit Solarstrom machen ließe.... Wenn diese Kraftwerke das leisten was sie versprechen, könnte sicher ein bedeutender Teil des Traoms nach Europa exportiert werden.

keine Lösung

Ich finde auch, dass wir nicht - schon wieder, nur auf eine andere Art - die so genannten Dritte Welt-Länder ausbeuten sollten. Der Strom würde dort produziert, warum also nicht auch dort nutzen?
Wichtig wäre, die Energieversorgung IN diesen Ländern FÜR diese Länder nachhaltig umzustellen. Wenn dann noch Überschüsse abfallen...gerne her damit!
Aber ansonsten sollten die "entwickelten" Länder sich eher Gedanken darüber machen, wie sie ihre eigenen Dreckschleudern mal umrüsten. Da stimme ich Herrn Hauff zu, aus meiner Sicht wird die Lösung der Zukunft ein Mix aus erneuerbaren Energien sein. Und das vor allem dezentral und regional. Nur schade in diesem Zusammenhang, dass Herr Hauff schon wieder mit CCS kommt, das scheint für ihn so eine Art Allerheilmittel zu sein.